Bei den Schützen

Schützenvereine spielen auch in meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, eine nicht unwesentliche Rolle. Einst Zusammenschlüsse von Kriegsveteranen oder stolzen, wehrhaften Bürgern, sind sie heute mehr oder minder Sportvereine, in denen man eben den Schießsport ausübt. Dass dabei der Aspekt des geselligen Miteinanders ganz gelegentlich gegenüber dem sportlichen Aspekt in den Vordergrund tritt, kann schon einmal passieren, besonders bei den mit großem Aufwand gestalteten Schützenfesten.

Kommt man jedoch nach Tirol, verblasst auch das prächtigste nordrhein-westfälische Schützenfest gegenüber dem Stellenwert, den die Schützen hierzulande einnehmen. In einem Land, in dem die Erzählung von der anno 1809 mit Vorderladern und Dreschflegeln gewonnenen Schlacht gegen die französischen (und bayerischen) Besatzer das Nationalepos schlechthin ist, sehen sich die Schützen als Hüter dieses Erbes und sind damit ein gutes Stück nationaler Identität, das bei jedem festlichen Anlass in Tracht und mit Salutschüssen dazu gehört. Dabei stammt ein Gutteil des militärisch strammen Gebarens durchaus auch von den Gepflogenheiten jenes habsburgischen Heeres ab, das Tirol 1809 sang- und klanglos sich selbst überlassen hatte. Aber das ist ein anderes Thema…

Wie auch immer – vergangenen Sonntag war es an mir, einen Festakt der örtlichen Schützen fotografisch zu begleiten. Und so kann man sich nun auch in diesem Blog überzeugen, wie an jenem Festtag dirigiert und salutiert wurde, marschiert und füsiliert – nein, das glücklicherweise nicht, es wurde nur mit Platzpatronen in die Luft geschossen. Mit dabei waren natürlich auch die Blasmusik, die Freiwillige Feuerwehr, eine kleine Abordnung der Kaiserjäger (ja, auch sie gibt es in Tirol noch, auch wenn sie nicht mehr in den Krieg ziehen…), die Vizebürgermeisterin, der Pfarrer, und der ganze Stolz der Schützen: eine Kanone, gezogen von zwei prächtig aufgeputzten Norikerpferden.

Und natürlich: auch bei den Tiroler Schützen gab es danach einen ausgiebigen geselligen Teil mit Schnitzel, Musik und Bier. Dieser Teil ist allerdings nicht fotografisch dokumentiert worden…

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